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Der Labrador und ein neues Baby

Vor einigen Wochen war es soweit. Wir brachten unsere kleine Tochter nach Hause und obwohl wir uns bereits seit Monaten darauf vorbereitet hatten, waren wir alle etwas aufgeregt–außer dem Baby. Sie schlief friedlich und hatte von unsere Abreise aus dem Krankenhaus überhaupt nichts mitbekommen.

Der Labrador und das Baby

Penny war zunächst sehr froh uns zu sehen, waren wir doch einige Tage nicht zu Hause gewesen. Aber dann bemerkte sie die Babyschale und Ihre Aufregung wandelte sich in große Neugierde. Sie reckte den Hals so lang es ging und versuchte Ihre Schnauze in die Babyschale zu stecken, um zu sehen, wer oder was das ist!?

Während sich die anderen um das Baby kümmerten, begrüßte ich Penny ein zweites Mal und zwar richtig, wie sie es von mir gewohnt war. Anschließend gingen wir zusammen raus für einen kleinen Spaziergang. Die kurze Ablenkung tat ihr ganz gut, sie war deutlich ruhiger und beobachte das Geschehen von ihrem Platz aus, weiterhin fasziniert. Als Sophia langsam aufwachte und anfing sich zu bewegen, schaute Penny mich mit aufgerissenen Augen an als ob sie denkt würde “Hast du das gesehen? Sie bewegt sich!”. Noch mal das Gleiche, als sie plötzlich Ihre ersten Geräusche machte.

Wir hatten schon Monate zuvor damit begonnen, Penny nicht mehr in unser Schlafzimmer zu lassen. Zugegebenermaßen eine etwas harte Umstellung für sie, da sie bis dahin auf einem Kissen neben dem Bett geschlafen hatte. Aber das Baby-Bett und die Wickelkommode würden bei uns im Schlafzimmer stehen und auf diese Weise hatten wir einen Bereich, der nur für das Baby bestimmt war. Und ein Bereich, der relativ frei von Hundehaaren war.

An dem Tag an dem wir mit dem Baby nach Hause kamen, war diese neue Regel allerdings schon längst verarbeitet. Gut, dass wir bereits Monate zuvor diese Umstellung eingeleitet hatten.

Wie haben wir uns auf das Baby vorbereitet?

Je näher der Geburtstermin rückte, umso mehr Gedanken machte ich mir über das Zusammenspiel der beiden. Viel wird gesagt über die Zusammenführung von Hund und Baby. Bringe ein Windel/Hemd/Tuch aus dem Krankenhaus nach Hause, um den Hund an das Baby zu gewöhnen. Hunde, die aggressiv auf das neue Familienmitglied reagieren, gar Hunde, die abgegeben werden, weil es einfach nicht zusammen funktioniert.

Davor hatte ich keine Angst. Ich wusste, wie Penny mit Kindern reagiert–sie ist wie die meisten Labradore friedlich und freundlich, ob Mensch oder Tier. Aber rein praktisch, fragte ich mich, wie wir das alles unter einen Hut bekommen würden.

Dann sah ich zufällig im Fernsehen eine Serie des Hundeprofi Martin Rütter und es ging genau, um unser Thema. Eine junges Paar, das bald ein Kind bekommen sollte und der Hundepsychologe Martin Rütter gab ihnen einige Tipps, wie sie sich darauf vorbereiten sollten.

Unter anderem waren es diese drei Ratschläge:

  • Bewahrt eine gewisse Distanz zwischen Baby und Hund
  • Trainiert das Gassi gehen mit Kinderwagen bereits im Vorfeld
  • Eine Windel aus dem Krankenhaus nach Hause bringen ist Quatsch!

Was genau meint Martin Rütter damit?

Distanz

Er sagt, dass man dem Hund beibringen soll, dass er sich zwar dem Babynähern darf, auch daran schnuppern kann, aber nicht mehr. Das Baby ist unsere Verantwortung, nicht die des Hundes. Er sagte in der Sendung, dass Hunde, die Verantwortung übernehmen, möglicherweise auch Maßregeln–das gehöre bei Hunden dazu. So machen sie es ja auch mit ihren Welpen.

Und somit riet er den werdenden Eltern auch schon Monate vor der Geburt mit einer kleinen Puppe zu üben. Sie sollten die Puppe nehmen und so tun, als ob es ein echtes Baby wäre. Sprich, die Puppe vorsichtig tragen, mit ihr reden und so weiter. Der Hund kam natürlich sofort hochinteressiert dazu. Riechen war erlaubt, aber sobald er mit der Schnauze das Baby (die Puppe) berührte, wurde er auf seinen Platz geschickt. Im nächsten Schritt wurde das Baby auf eine Decke gelegt, auch hier durfte der Hund unter Aufsicht in die Nähe des Babys gelangen, aber wenn er zu nahe kam, wurde er weggeschickt.

Gassi mit Kinderwagen

Genauso sollte bereits einige Wochen vorher das Gehen mit Kinderwagen geübt werden. Sein Tipp war, dass man mit dem Kinderwagen an einem Mauer oder Zaun entlang geht, der Hund Innen laufen soll und zwar auf unserer Höhe. Also, genau so, wie beim “Bei Fuß” gehen. Sobald der Hund einen Schritt schneller ging, sollte man ihn mit dem Kinderwagen abblocken. Sozusagen den Kinderwagen in den Weg zur Wand schieben, damit der Hund lernt, dass er da nicht vorbei gehen darf.
Das ist eine gute Regel finde ich, denn anders ist ja gar nicht möglich zusammen mit Kinderwagen und Hund zu laufen.

Die Windel

Ehrlich gesagt, ich habe vergessen, warum genau das Blödsinn ist, seiner Meinung nach. Glaube, es hatte mit Regel Nummer I zu tun und der Hund nicht auf den Geruch des Babys vorbereitet werden müsse.

Wie haben wir die Regeln umgesetzt?

Tja! Um ehrlich zu sein, wie haben weder mit der Puppe vorher geübt, noch mit dem Kinderwagen. Bei all den Vorbereitungen im Vorfeld (Baby-Zimmer einrichten, Vorbereitungskurse, Arztbesuche, Baby-Showers, etc.) war es plötzlich schon soweit und ich hatte leider nicht geübt, obwohl ich mir das vorgenommen hatte. Vor allem die Arbeit mit dem Kinderwagen, hielt ich bei Penny für angemessen, da sie sehr temperamentvoll sein kann.

Aber es kam anders und nun war Sophia da und wir folgten den Richtlinien von Martin Rütter. Wir ließen Penny zwar an sie herankommen, aber mehr als Riechen war nicht erlaubt. Kein übers Gesicht lecken, Nase ins Gesicht stecken oder Hände und Füße in den Mund nehmen. Im Prinzip kommt man mit gesundem Menschenverstand auf die gleichen Verhaltensweisen.

Wie hat Penny den Neuankömmling aufgenommen?

So gut wie wir uns erhofft hatten. Sie wirkte die ersten paar Tage zwar wirklich etwas depressiv und ich vermute sie hat die Umstellung echt erst einmal verdauen müssen. Gerade die ersten Tage waren etwas hektisch und ich gebe zu, wir haben uns vorrangig um uns und das Baby gekümmert. Mittlerweile ist Sophia bereits 4 Wochen bei uns und wir alle haben uns an den neuen Rhythmus gewöhnt, auch Penny. Sie genau wieder die Alte. Vielleicht freut sie sich mittlerweile ja auch, dass wir nun ein Mitglied mehr in der Familie haben.

Wenn das Baby in der Wippe liegt, welche mit nur wenigen Zentimetern über Boden eine angenehme Leck-Distanz ermöglicht, läuft Penny nun an ihr vorbei, ohne dass sie sonderlich an ihr interessiert wäre. Wenn ich das Baby im Arm halte, rufe ich Penny häufiger zu mir und lasse sie auch näher an ihr ran, damit sie schauen oder schnüffeln kann. Und sie ist sehr interessiert! Genau wie wir alle, denke ich. Ich glaube es ist wichtig, den Hund nicht auszugrenzen. Sie soll zwar lernen, dass für das Baby besondere Regeln gelten, aber wir nach wie vor eine Familie sind.

Wenn wir gemeinsam rausgehen, schiebt meine Partnerin den Kinderwagen und ich halte Penny. Genau wie immer. Und die gemeinsamen Spaziergänge am Abend sind sehr schöne Momente :) Bestimmt auch für Penny!

Falls Sie auch ein Baby bekommen

Mädchen mit Hund

Jeder Hund ist anders und daher ist es sicherlich sehr ratsam, immer vorsichtig zu bleiben. Wir lassen Penny nicht mit dem Baby alleine. Auch nicht kurz. Wenn das Baby in der Wippe liegt und ich an die Tür muss, dann nehme ich Penny mit. Sicherlich ist es auch eine gute Idee, sich etwas mehr mit dem Tier körperlich zu beschäftigen, wenn es gilt, so eine große Veränderung zu bewältigen. Längere oder häufigere Spaziergänge schaden nichts und werden von Ihrem Labrador sicherlich mit großer Freude angenommen :)

Ich glaube, man sollte sich nicht zu verrückt machen. Ein Kind zu bekommen, ist eine große Veränderung. Aber genau wie wir es alle schaffen, damit zurecht zu kommen, schaffen unsere Hunde das auch.

Für die nächste Zeit werden wir weiterhin darauf achten, dass Penny dem Baby erst mal nicht zu Nahe kommt. Nicht mehr lange und Sophia wird in Penny ihre erste beste Freundin finden.

  • Thomas Leppin

    Wartet mal wenn die kleine krabbelt, dann ist immer was los und Kind mit Hund da geht immer etwas zu bruch.

    • Christian Schilling

      In der Tat – das wird die nächste Herausforderung :)

  • Hensel

    Vielen Dank für den tollen Beitrag! Sehr schön geschrieben!

    • http://eBooklesegeraet.com/ Christian Schilling

      Vielen Dank! :)